Erzeugen eines High Dynamic Range-Bildes (Bild mit hohem Kontrastumfang)
Einleitung
Ein High Dynamic Range-Bild (HDR) zeichnet den kompletten Kontrastumfang einer Szene auf. Also alle sich durch Reflektion ergebenden Tonwerte, von den hellsten Lichtern bis in die tiefsten Schatten. Um die erfassten Tonwerte mit ausreichender Genauigkeit speichern zu können, werden HDR-Bilder in Fließkommadarstellung abgespeichert. Diese Fließkommawerte werden von Computern durch jeweils 32 bit codiert, und so spricht man bei HDR-Dateien von 32-Bit Bildern (32 bit pro Farbkanal). Eine Maßzahl für die Größe des Kontrastumfangs eines Bildes ist das Verhältnis zwischen seinen hellsten und dunkelsten Bildteilen. Die realistische Wiedergabe einer Szene mit hohem Kontrastumfang wird durch zwei Hauptfaktoren begrenzt:
- Erstens: Durch das Aufnahmegerät.
Einzelne Aufnahmen einer Digitalkamera, egal ob als JPG oder RAW abgespeichert, zeichnen nur einen geringen Kontrastumfang auf. Man bezeichnet sie als Low Dynamic Range-Bilder (LDR-Bilder), da die Sensoren heute gebräuchlicher digitaler Kamerasysteme den Kontrastumfang einer Szene immer nur teilweise erfassen können. Der jeweils erfasste Teilbereich hängt von der Belichtungseinstellung ab. Um den gesamten Kontrastumfang eines Motivs erfassen zu können, muss man also mehrere unterschiedliche Belichtungen aufzeichnen.
- Zweitens: Durch die Wiedergabe.
Handelsübliche Monitore können nur einen Kontrastumfang von ca. 100:1 darstellen - Ausdrucke mit Photodruckern oder Abzüge aus dem Labor meist noch weniger.
Der Motivkontrast eines typischen Motivs aus unserer Umgebung liegt oft meist darüber (Kontrastumfänge von 100.000:1 sind in natürlichen Szenen nichts besonderes). Davon ausgehend, dass das menschliche Auge einen Kontrastumfang von annähernd 10.000:1 mit einem Blick erfassen kann, ist es für die realistische Bildaufzeichnung und -wiedergabe notwendig, dass ein größerer Kontrastumfang aufgezeichnet wird, als es mit der üblichen Aufzeichnung möglich ist. Dies wird durch die HDR-Aufnahmetechnik möglich.
Photomatix benutzt mehrere Bilder des gleichen Motivs, fotografiert mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, um den so quasi scheibchenweise aufgezeichneten, vollen Kontrastumfang des Motivs im 32-Bit HDR-Bild wiederherzustellen. Die Anzahl der Belichtungen die dazu erforderlich sind, ist abhängig von der Größe des Belichtungsunterschieds zwischen den einzelnen Aufnahmen und dem Kontrastumfang des aufzuzeichnenden Motivs.
Für weitere Informationen zur Aufzeichnung eines HDR-Motivs schauen Sie bitte im Abschnitt Erstellen von Belichtungsreihen für HDR-Aufnahmen nach.
Erzeugen eines High Dynamic Range Bildes aus Bildern einer Belichtungsreihe:
1.
Klicken Sie auf HDR erzeugen im HDR Menü.
2.
Klicken Sie auf den Durchsuchen-Knopf um zu dem Speicherort ihrer unterschiedlich belichteten Bilder zu kommen und wählen Sie sie mit Shift+Pfeiltaste oder der Maus+STRG-Taste aus. Drücken Sie dann den Knopf OK.
Die Berechnung der HDR-Bilder erfordert die Belichtungswerte von jedem Eingangsbild. Wenn die Belichtungszeit in den EXIF-Daten nicht gefunden werden kann, zeigt Photomatix ein Fenster in dem Sie die Belichtungswerte für jedes Ihrer Bilder eingeben können (siehe Anmerkung unten). Dieses Fenster wird ebenfalls angezeigt, wenn zwei oder mehr Bilder die selben Belichtungswerte aufweisen (z.B wenn sie aus einer einzigen RAW-Datei mehrfach konvertiert wurden).
3.
Wenn Sie kein Stativ benutzt haben, um die unterschiedlich belichteten Aufnahmen zu machen, sollten Sie auf jeden Fall die Option Ausrichten der Bilder aktivieren. Aber auch wenn Sie ein Stativ benutzt haben kann dies sinnvoll sein, um kleine, versehentliche Verschiebungen zwischen den Aufnahmen zu eliminieren.
4.
Falls Bewegungen im Motiv vorkommen, aktivieren Sie die Option Versuche Geisterbilder zu unterdrücken. Bewegungen, die sich deutlich vom Hintergrund unterscheiden, wie sie z.B. gehende Menschen oder fahrende Autos vollführen, bekämpft Photomatix Pro am Besten mit der Variante Objekte/Menschen in Bewegung. Spuren von gleichförmigen, sich wiederholenden Bewegungen, wie z.B. Wellen auf dem Wasser, werden durch die Variante Wellen bestmöglich unterdrückt. Bei beiden Varianten kann zusätzlich die Empfindlichkeit der Erkennung zwischen Normal und Hoch gewählt werden.
Nachdem das HDR Bild nun erzeugt wurde, muss es im nächsten Schritt noch weiter bearbeitet werden, um die aufgezeichneten Details in den Lichtern und Schatten auf einem handelsüblichen Monitor auch zur Geltung zu bringen. Dazu öffnen Sie bitte das HDR Menü und klicken auf den Eintrag Tone Mapping.
 
Anmerkung für den Fall fehlender Belichtungsinformationen:
Die benötigten Belichtungswerte, die eingetragen werden müssen sind relative Werte (d.h. zum Beispiel Werte von -2, 0, +2 sind dieselben wie 0, +2, +4). Ein Verdoppeln der Belichtungszeit bedeutet eine Steigerung um 1 Stufe im Lichtwert (+1 EV), vorausgesetzt dass die Blenden- und ISO-Einstellung sich nicht ändert. Eine Vervierfachung der Belichtungszeit entspricht einer Steigerung des Lichtwerts um 2 Stufen (+ 2 EV). Eine Verkürzung der Belichtungszeit um den Faktor 4 entspricht einem Belichtungsunterschied von -2 Stufen (-2 EV).
 
Anmerkung zu den auswählbaren Gradationskurven:

Die ursprünglich in linearer Form vorliegenden Sensordaten einer digitalen Kamera werden von der Kamera selbst, oder einem eingesetzen RAW-Konverter, mit einer Gradationskurve verrechnet, um ein ansehnliches Foto am Bildschirm präsentieren zu können. Die so mit einer Gradationskurve behandelten Bilddaten muss Photomatix Pro aber wieder auf die linearen Helligkeitswerte, die ein HDR-Bild auszeichnen, zurückrechnen. Die empfohlene Option Gradationskurve aus Farbprofil verwenden benutzt die im Farbprofil der Ausgangsbilder hinterlegte Gradationskurve für diese Rückrechnung. Falls kein Farbprofil angegeben ist, geht Photomatix Pro von der Gradationskurve in AdobeRGB aus.

Die Option Lineare Gradationskurve benutzen steht nur bei Ausgangsbildern mit 16 bit pro Frabkanal zur Auswahl. Sie sollten sie nur auswählen, wenn Sie vollkommen sicher sind, dass die Ausgangsbilder ohne jegliche Anwendung einer Gradationskurve aus den Rohdaten gewonnen wurden - die Tonwerte also linear zur Helligkeit aufgezeichnet sind. Beachten Sie bitte, dass dies nicht der Fall ist, wenn z.B. in Adobe Camera Raw die Tonwertkurve auf "linear" eingestellt war. RAW-Konverter verwenden eine interne, meist nicht beeinfluß- oder abschaltbare Gradationskurve, ohne dies dem Anwender explizit mitzuteilen.
 
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