HDR-Bilder Verarbeiten
Einleitung
Eine aus mehreren underschiedlich belichteten Aufnahmen erzeugte HDR-Datei lässt sich zunächst auf handelsüblichen Monitoren nicht zufriedenstellend anzeigen oder auf einem Drucker ausdrucken. Aufgrund des sehr hohen Kontrastumfangs in der HDR-Datei, den normale Monitore nicht vollständig darstellen können, brechen scheinbar doch wieder die Lichter weg, bzw. laufen die Schatten scheinbar zu. Die HDR-Datei enthält aber alle Details in Lichtern und Schatten, wir können diese nur noch nicht sehen, weil der Monitor sie in seinem beschränkten Kontrastumfang nicht anzeigen kann. Um diese nun sichtbar zu machen, müssen die Tonwerte aus dem großen Kontrastumfang der HDR-Datei (typisch: ca. 100.000:1) in den kleineren Kontrastumfang unseres Bildschirms/Druckers (üblich ca. 100:1) abgebildet werden. Man spricht von Dynamikkompression, bzw. auf Englisch vom Tone Mapping. Tone Mapping wandelt die Tonwerte eines Bildes mit hohem Kontrastumfang so zu einem Bild mit niedrigen Kontrastumfang um, dass danach alle Details aus Lichtern und Schatten auf einem normalen Monitor sichtbar und damit auch druckbar sind, das Bild insgesamt aber auch noch über ausreichend Tonwertstufen in den Mitteltönen verfügt um die fotografierte Szene ansprechend wiederzugeben.
Photomatix Pro 2.4 bietet zwei verschiedene Methoden des Tone Mappings an. Die erste heisst "Details Enhancer" und die zweite "Tone Compressor". Weiter unten beschreiben wir die Einstellmöglichkeiten des "Details Enhancer".
Das interaktive Tone Mapping Werkzeug von Photomatix kann von der Photomatix Pro Programmoberfläche aus direkt und unter Sichtkontrolle auf einzelne Bilder mit hohem Kontrastumfang angewendet werden.
Der Ablauf der HDR Verarbeitung sieht dabei wie folgt aus:
1. Erzeugen Sie ein HDR-Bild oder öffnen Sie ein schon vorhandenes HDR-Bild in den Formaten Radiance RGBE (.hdr), Open EXR (.exr) oder Floating Point TIFF (.tif) in Photomatix Pro.
2. Klicken Sie im HDR Menü auf Tone Mapping.
Wie Sie das Tone Mapping Werkzeug automatisch auf mehrerer Dateien anwenden können, erklären wir im Abschnitt Batch-Verarbeitung.
Um große Dateien mit dem Details Enhancer zu verarbeiten, wählen Sie bitte im Menü HDR den Punkt Große Datei verarbeiten aus. Mit dieser Funktion wird zunächst eine niedrig auflösende Vorschau Ihrer HDR-Datei erzeugt, an der Sie die Einstellungen für das Tone Mapping unter Sichtkontrolle schnell vornehmen können. Danach werden diese Einstellungen in einem separaten Berechnungsschritt auf das komplette HDR-Bild angewendet. Diese Berechnung benötigt weniger Speicherplatz im Hauptspeicher als das vollständg interaktive Tone Mapping und kann daher größere Dateien verarbeiten. Über diese Funktion können nur Dateien im Format Radiance RGBE (.hdr) verarbeitet werden.
Details Enhancer Parametereinstellungen
Die Tone Mapping Methode "Details Enhancer" von Photomatix Pro berücksichtigt den lokalen Motivkontrast. Dies ist notwendig, um sicher zu stellen, dass die Zeichnung in den Lichtern und Schatten bei der Reduzierung des Tonwertumfangs eines HDR-Bildes nicht verloren geht. Die Sichtbarkeit von Motivdetails hängt auch von der Auflösung der Bildausgabe ab. Dies bedeutet unter anderem, dass die (niedrig aufgelöste) Vorschau, die im Tone Mapping Fenster gezeigt wird, immer nur eine Annäherung an das endgültige Ergebnis darstellt.
Die Histogrammanzeige links zeigt bereits das Histogramm des Bildes, so wie es entstehen würde wenn das Tone Mapping mit den aktuellen Parameterm angewendet würde. Eine Vorschau auf die Helligkeitsverteilung des Ergebnises also.
Stärke
Beeinflusst die Stärke der Kontrastverbesserung. Ein Wert von 100% ergibt die maximale Steigerung des lokalen und globalen Kontrastes.
Farbsättigung
Beeinflusst die Sättigung der RGB Farbkanäle. Je größer der Wert umso intensiver die Farben. Der Wert beeinflusst jeden Farbkanal gleichmäßig.
Lichter Glätten
Beeinflusst die Stärke des Glättens von Helligkeitsunterschieden im gesamten Bild. Ein hoher Wert vermindert die Bildung von Halos und erzeugt so eine natürlichere, weichere Stimmung. Niedrige Werte erlauben härtere Übergänge, das Bild wirkt schärfer, aber auch unnatürlicher.
Helligkeit
Beeinflusst die Komprimierung der Tonwerte und regelt dadurch die globale Grundhelligkeit. Bewegen des Reglers nach rechts erhöht die Schattenzeichnung und bewirkt ein generelles Aufhellen des Bildes. Ziehen nach links senkt die Bildhelligkeit ab und ergibt eine natürlicher wirkende Anmutung in dem mit Tone Mapping bearbeiteten Bild.
Mikrokontrast
Beeinflusst die Betonung der lokalen Motivdetails. Der voreingestellte Wert (2) ist in den meisten Fällen der optimale.
Ein Absenken dieses Werts ist jedoch hilfreich um Bildrauschen zu vermindern oder wenn die Betonung von vorhandenen Details nicht wünschenswert ist (z.B. Nahtstellen, die in einem zusammengesetzten Panorama in einer einheitlichen Fläche sichtbar werden, wenn vorhandene Details zu sehr verstärkt würden).
Mikrokontrast glätten
Glättet die Verstärkung lokaler Details. Durch Werte größer 0 kann zum Beispiel das möglicherweise vorhandene Rauschen im Himmel oder in anderen Bildstellen unterdrückt werden wodurch das gesamte Bild einen "saubereren"/"glatteren" Eindruck bekommt.
Weißpunkt - Schwarzpunkt
Beide Regler kontrollieren wie die minimalen und maximalen Tonwerte ins Ergebnis umgesetzt werden. Der Effekt ähnelt der Tonwertkorrektur in Photoshop. Bewegen der Regler nach links vergrößert den allgemeinen Kontrast. Bewegen nach rechts reduziert das Beschneiden der Extremwerte. Der Weißpunkt-Regler beschneidet die Tonwerte am rechten Ende des Histogramms (um Spitzlichter zu erzeugen). Der Schwarzpunkt-Regler beschneidet die Tonwerte am linken Ende des Histogramms (um Schatten gezielt etwas zulaufen zu lassen).
Gamma
Beeinflusst die Tonwerte der Mitteltöne und läßt das Bild heller oder dunkler erscheinen.
Allgemeine Einstellungen
Farbtiefe für Ausgabe
Legt die Farbtiefe, also die Anzahl der Bits pro Farbkanal, des Ergebnisses fest. Die Einstellung 8-bit reduziert den Kontrastumfang auf ein 24-Bit RGB-Bild, welches dann als JPEG oder 8-Bit TIFF-Datei gespeichert werden kann. Die Einstellung 16-bit reduziert den Kontrastumfang auf ein 48-Bit RGB-Bild, welches dann als 16-Bit TIFF-Datei gespeichert werden kann.

Die Standardeinstellung ist 8-bit, kann aber im Menü Einstellungen... (zu finden unter dem Menü Ansicht) umgestellt werden.
360º Bild
Diese Option muss ausgewählt werden, wenn das zu verarbeitende Bild eine rechtwinklige Projektion eines 360º Panoramas ist (Equirectangular). Durch die lokale Kontrastverstärkung des Details Enhancer würden sonst links und rechts der Nahtstelle eines 360º Bildes unterschiedliche Tonwerte zugewiesen. Dies würde eine sichtbare Naht erzeugen, die dem Betrachter auffällt sobald das mit Tone Mapping bearbeitete Bild in einem Panorama Viewer angeschaut wird. Die Aktivierung der 360º Option kann dies verhindern.
Die Option sollte ausschliesslich für 360º Bilder ausgewählt werden. Die Benutzung in anderen Fällen kann zu suboptimalen Ergebnissen führen.

Hinweis: Die aktivierte 360º Option führt zu einer um 50% höheren Speicherbelastung während des Tone Mappings. Ausserdem verlängert sich die Zeit zur Berechnung.
 
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